Myxomatose

Myxomatose

 

Myxomatose, Ödeme

Kaninchen mit deutlichen Ödemen im Gesicht – Myxomatose

Übertragung

Die Myxomatose ist hochansteckend und Wildkaninchen sind ein natürliches Reservoir, das heißt der Erreger wird von Wildkaninchen verbreitet, die das Virus ausscheiden aber selbst nicht erkranken.

Vor allem über blutsaugende Insekten (Mücken, Flöhe) wird ein Kaninchen angesteckt. Sticht eine Mücke ein erkranktes bzw. infiziertes Tier, nimmt es mit dem Blut die Viren auf und kann sie mit dem nächsten Stich auf ein gesundes Tier übertragen. Daher ist die Erkrankung auch hauptsächlich auf die Mückenzeit (Frühjahr/Sommer) begrenzt.

Eine indirekte Übertragung kann ebenfalls stattfinden. Über Nasen- und Augenausfluss sowie Wundsekret scheiden erkrankte Tiere das Virus aus. Über Gras, Fliegen, Gegenstände oder auch Menschen welche Kontakt mit dem Sekret hatten, kann man den Erreger auch ins Haus tragen. Kaninchen welche nur im Haus leben sind daher nicht vor der Erkrankung geschützt. Auch ein direkter Kontakt des gesunden Kaninchens mit den Sekreten eines erkrankten Kaninchens führt zu einer Infektion. Daher ist eine sofortige Trennung eines erkrankten Tieres von den Partnertieren nötig.

Für den Menschen sowie andere Haustiere (Hund, Katze, Meerschweinchen u.a.) ist die Myxomatose ungefährlich.

Eine Übertragung wird begünstigt durch enge Haltung vieler Kaninchen, eine große Wildkaninchenpopulation, Gebiete mit vielen Mücken z.B. an Gewässern und ungeimpfte Tiere.

Symptome

Das Virus hat eine Inkubationszeit von 3-10 Tagen. Das bedeutet, dass 3-10 Tage zwischen der Ansteckung und den ersten Symptome liegen können. Haben sie ein an Myxomatose erkranktes Kaninchen, können die Partnertiere noch keine Symptome zeigen aber schon infiziert sein und werden dann fälschlicherweise für gesund gehalten.

Die Krankheit kann sehr unterschiedlich verlaufen und nicht alle Symptome müssen zwingend auftreten, sie hängen von der Virulenz des Virusstammes und der Empfänglichkeit der Kaninchen ab. Bei ungeimpften oder nicht regelmäßig geimpften Tiere kann die Krankheit perakut, akut oder chronisch Verlaufen.

Beim perakuten Verlauf treten nur leichte Symptome, wie leichte Schwellungen der Augen auf. Die Tiere versterben allerdings innerhalb weniger Tage.

Beim akuten Verlauf treten zunächst Tränenfluss und geschwollene Augenlider auf. Später kommen eitriger Augen- und Nasenausfluss und weitere Anschwellungen am Kopf (Ohren, Nase, Lippen) und am Genitalbereiche sowie Fieber hinzu. Durch die Nasenschwellung und den eitrigen Nasenausfluss haben erkrankten Tiere häufig Atembeschwerden. Die Rammler können unter einer Entzündung der Hoden leiden. Es kommt zu sogenannten Myxombildungen. Das sind Ödeme des Kopfes („Nilpferdkopf“) und zum Teil auch des gesamten Körpers. Die Futteraufnahme wird zum Teil verweigert und der Patient verstirbt nach etwa 2 Wochen.

Der chronische Verlauf ist ein leichterer Verlauf und Tiere mit guter Kondition können die Infektion überleben. Vor allem am Kopf und Genital kommt es zu Knoten- und Unterhautödemen. Die Knoten können aufplatzen und heilen dann nur langsam unter Narbenbildung ab. Aus den geplatzten Knoten tritt Sekret aus, welches infektiös für andere Kaninchen ist.

Am Anfang einer Epidemie Verläuft die Krankheit meist zu 100% tödlich. Mit der Zeit wird das Virus abgeschwächt bzw. die Tiere passen sich an. Dadurch kommt es zu milderen oder atypischen Verläufen und die Tiere können die Infektion unter Umständen überleben.

Erkranken geimpfte Tiere haben sie gute Überlebenschancen und es kommt zu abgeschwächten Symptomen. Meist zeigt sich dies dann nur durch einen chronischen Schnupfen und häufigen Durchfall.

Durch die Impfung kann es in seltenen Fällen auch zu einer „Impfmyxomatose“ kommen. Die Einstichstelle schwillt an und kann sich knotig verändern. Bei geschwächten Tieren können die Augenlider anschwellen. Dies sollte dem Tierarzt umgehend gemeldet werden.

Behandlung

Eine gezielte Therapie gegen die Myxomatose gibt es nicht.

Bei einem milden Verlauf können wir die Symptome lindern. Mit Antibiotika werden Sekundärinfektionen durch Bakterien versucht zu verhindern. Des Weiteren wird versucht das Immunsystem des Patienten zu stimulieren.

Je nach Verlauf können Augensalben, Inhalation mit Kochsalzlösung und Zufütterung zusätzlich nötig sein.

Die Behandlung ist allerdings oft sehr langwierig und oft auch mit Rückschritten verbunden. Je nach Virulenz des Virusstammes liegt die Sterberate bei 20-100%, das heißt dass leider die meisten ungeimpften Tiere auch mit Behandlung sterben.

Je nach Verlauf ist es eventuell schon bei der ersten Vorstellung nötig das Kaninchen von seinem Leiden zu erlösen. Eine Behandlung führen wir nur durch, wenn das Tier im Haus mit einem Fliegengitter um den Käfig gehalten werden kann. Ansonsten würde der Patient zur Weiterverbreitung der Myxomatose beitragen. Während der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen durch den Tierarzt nötig um gegebenenfalls die Behandlung anzupassen oder wenn es nötig werden sollte, das Tier von seinem Leiden zu erlösen. Andernfalls wurde das Kaninchen durch verhungern oder ersticken qualvoll verenden.

 

Knötchen im Oberlid, noduläre Form

Knötchen im Oberlid, noduläre Form

Die Prognose einer Impfmyxomatose ist gut. Meistens heilt der Knoten an der Einstichstelle unter Narbenbildung ab.

In allen anderen Fällen bei ungeimpften Tieren ist die Prognose meistens ungünstig und endet tödlich. Einige Kaninchen können plötzlich versterben ohne zuvor Symptome gezeigt zu haben. Die meisten sterben allerdings wenige Tage nach den ersten Symptomen.

Es gibt auch leichtere Verläufe der Myxomatose, bei denen sich das Kaninchen wieder vollständig oder nahezu vollständig erholt. Allerdings ist der Virus nach überstandener Krankheit noch bis zu 6 Monate im Tier aktiv und somit für andere Tiere noch ansteckend.

Impfung

Der beste Schutz für unsere Kaninchen ist die Impfung.

Es gibt einen neuen Kombinationsimpfstoff welcher nur einmal jährlich geimpft werden muss und auch eine Grundimmunisierung nicht nötig ist. Durch eine hohe Infektionswelle in diesem Jahr (2016) ist aus unserer Sicht ersichtlich, dass dieser Impfstoff keinen ausreichenden Impfschutz bietet. Wir verwenden den Impfstoff der Firma IDT und wiederholen ihn alle 4 Monate. Ein 6-Monatsintervall bietet auch keinen ausreichenden Impfschutz wie sich momentan zeigt.

Die Erstimpfung ist hier ab der 6. Lebenswoche möglich und muss nach 3-4 Wochen wiederholt werden. Erst durch die Wiederholungsimpfung ist das Kaninchen geschützt, da der Antikörpertiter erhöht wird (Boosterung). Danach ist eine regelmäßige Auffrischung nötig, damit der Antikörpertiter auch so hoch bleibt. Ist die Auffrischung zu spät erfolgt besteht die Gefahr, dass der Titer wieder zu niedrig und das Tier nicht ausreichend geschützt ist. Daher ist immer eine pünktliche Auffrischung nötig um eine erneute Grundimmunisierung und Impfdurchbrüche zu vermeiden.

Eine Auffrischung ist alle 4 Monate nötig.

Auch im Winter ist eine Impfung wichtig, da das Virus sich 6 – 7 Monate auch bei den sinkenden Temperaturen hält und sich auch ohne Mücken verbreiten kann.

Eine Impfung schützt zwar leider nicht 100%, aber die Krankheit verläuft bei regelmäßig geimpften Tieren wesentlich milder und die Überlebenschancen sind weitaus höher als bei ungeimpften Tieren. Bei Patienten, die im 4-Monatsintervall geimpft wurden, hatten wir bisher keine Infektion mit Myxomatose.

Mit einer Impfung schützen Sie nicht nur Ihr eigenes Tier, sondern auch alle andere Kaninchen. Bei einem Durchimpfungsgrad von 70% kann eine gefährliche Epidemie wie dieses Jahr wirksam verhindert werden! Je mehr es empfängliche Kaninchen gibt, desto stärker kann sich das Virus verbreiten.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen

  • Regelmäßige Impfung
  • In Epidemien Zeiten und -Orten kein Grünfutter sammeln bzw. das Grünfutter gründlich unter Wasser reinigen und dann gut trocknen lassen.
  • Insektengitter und Insektenfallen
  • Kontakt zu Wildkaninchen vermeiden/keine Wildkaninchen mit nach Hause nehmen
  • Regelmäßige Reinigung der Käfige und täglicher Wechsel der Einstreu
  • Händehygiene und insgesamt Hygiene (Schuhe!)

 

Was tun, wenn ein Tier erkrankt ist?

Das betroffene Kaninchen sofort von den anderen trennen und in die Wohnung holen. Mit allen Kaninchen, auch wenn sie keine Symptome zeigen, umgehend beim Tierarzt vorstellig werden. Die vermeintlich noch nicht erkrankten Tiere können notgeimpft werden. Sollten sie nicht erkrankt sein, können sie vor einer Infektion eventuell noch geschützt werden. Sollten sie erkrankt, aber noch keine Symptome zeigen (Inkubationszeit,) können sie unter Umständen durch die Notimpfung gerettet werden. Eine Notimpfung verhindert allerdings nicht den Ausbruch der Krankheit, sollten sie schon infiziert sein.

Käfig und Einrichtungen sollten gesäubert werden. Das Virus ist relativ unempfindlich gegenüber vielen Chemikalien. Es ist kälteunempfindlich aber empfindlich gegen Temperaturen über 60 Grad. 3%iges Formaldehyd führt innerhalb 3 Stunden zur Inaktivierung des Virus.

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