Umdenken beim Impfen

 

Vakkzinosen – ein fast in Vergessenheit geratenes Problem, weil die Symptome immer subtiler werden.

DunkelfeldWie bei jedem Medikament treten auch bei Impfungen erwünschte und unerwünschte Wirkungen auf. In den meisten Fällen überwiegen die erwünschten Wirkungen, schützt man doch sein Tier vor letztendlich im Einzelfall tödlichen Erkrankungen. Wer schon mal einen Hund mit beispielsweise Parvovirose behandelt hat, wird nie mehr auf diese Impfung verzichten. Wer auf der anderen Seite schon mal einen Patienten mit einer schweren Vakkzinose, also einer fehlerhaften Reaktion auf die Impfung, hatte, neigt dazu, nie wieder einen Patienten zu impfen. Die Symptome dieser Erkrankung sind sehr vielzählig. In meiner Anfangsassistentenzeit kann ich mich an sehr schwere, teilweise nicht mehr zu rettende Fälle, erinnern. Oft waren schwere chronische Erkrankungen die Folge. Inzwischen sind die meisten Vakkzinosen nicht mehr ganz so dramatisch, aber trotzdem mit immensen Auswirkungen auf den „Lebensstandard“ unserer Haustiere. Das zeigen mir vor allen Dingen die Untersuchungen mit dem Dunkelfeldmikroskop, das wohl feinste Instrument um die Wirkungen einer Impfung zu untersuchen. Ich bin weit davon entfernt, eine pauschalisierte Entscheidung zu treffen. Letztendlich muss für jeden Patienten ganz individuell festgelegt werden, wie ein vernünftiges Impfprogramm aussieht.

Impfung HundNeuerungen bei den Impfstoffen führen dazu, dass heutzutage auch wesentlich weniger und schonender geimpft werden kann als das früher der Fall war. Leider halten viele Tierärzte noch an den alten Impfschemata fest. Unter Berücksichtigung des individuellen Infektionsrisikos kann man aber heutzutage auf viele Impfungen verzichten. Der jährliche Gang zum Tierarzt ist damit nicht abgeschafft und aufgrund bestimmter Vorsorgeuntersuchungen, die automatisch vor einer Impfung durchgeführt werden (müssen), auch weiterhin sinnvoll. Allerdings müssen zum Beispiel Staupe, Parvovirose, Hepatitis und Parainfluenza nur ein mal grundimmunisiert werden, wenn man diese Krankheiten ab der 12. Woche impft. Dadurch fällt eine komplette Impfung weg, es bleibt aber ein erhöhtes Infektionsrisiko für die Zeit von der 8. bis zur 12. Woche bzw. bis zu dem Zeitpunkt des Wirkungseintritts, ca. 3 Wochen nach der Impfung. Die Leptospirose erreicht mit dem neuen Impfstoff durch eine Auffrischung nach 2-4 Wochen eine Wirkung für ein ganzes Jahr, nicht wie früher für ein halbes Jahr. Ich sehe erstaunte Gesichter: ja, erst der neue L4-Impfstoff hat eine Gültigkeit für ein ganzes Jahr. Alles über die Hundeimpfungen steht hier

Katzenkomplettimpfung

Katzenkomplettimpfung

Bei den Katzenimpfstoffen gilt ähnliches. Die Weiterentwicklung der Impfstoffe, vor allem der Verzicht auf Adjuvantien führt zu wesentlich weniger und geringeren Impfschäden. Aber es gibt nach wie vor Patienten, denen man mit einer Impfung nichts Gutes tut. Für Katzen gibt es leider keinen Impfstoff, der schon mit er ersten Impfung eine Gültigkeit für ein Jahr erhält. Es muss nach 3-4 Wochen „geboostert“ werden. Allerdings erhält die Parvovirose mit der dritten Impfung eine Gültigkeit für 2 Jahre, die Tollwut für 3 Jahre. Näheres ist hier nachzulesen.

Die Schutzimfpungen für Kaninchen variieren sehr stark nach den örtlichen Gegebenheiten. Für Ludwigshafen und Umgebung gilt ein sehr stark erhöhtes Infektionsrisiko für Myxomatose. Deswegen empfehlen wir diese Impfung nach 3-4 Wochen zu boostern und dann alle 4 Monate durchzuführen, nicht halbjährlich. Der neue Kombinationsimpfstoff, der eine Immunität von einem Jahr verspricht, hat sich in diesen Breitengraden noch nicht bewährt.

 

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