Strengere Vorschriften bei Antibiotika

In der Diskussion um multiresistente Keime richtete sich in den letzten Jahren das Augenmerk vermehrt auf den tierärztlichen Gebrauch von Antibiotika vor allem in der Produktion von Fleisch und tierischen Produkten. Sicherlich ist dies nicht der einzige Grund für das Entstehen dieser Bakterienstämme. Trotzdem ist es folgerichtig, dass hier etwas passieren musste. Deshalb war die Idee, den Gebrauch von Antibiotika, insbesondere sogenannter Reserveantibiotika , möglichst zu vermeiden oder zumindest strengeren Auflagen zu unterziehen. Letztendlich geht es um die Umsetzung des Hinweises im Beipackzettel eines Antibiotikums, dass eigentlich jeder Einsatz eines Antibiotikums nach Antibiogramm erfolgen sollte.

Probenentnahme aus dem Auge

Die neue Regelungen betrifft den Einsatz von Reserveantibiotika (Fluorchinolone und Cephalosporine der dritten und vierten Generation) bei lebensmittelproduzierenden Tieren (Huhn, Pute, Rind, Schwein, Pferd) sowie Hund und Katze, ausgenommen herrenlose Katzen. Wenn Sie Besitzer von Kaninchen, Meerschweinchen, Mäusen, Reptilien, Amphibien oder anderen Kleintieren (außer Hund und Katze) sind, können Sie sich beruhigt zurücklehnen oder bei Gefallen weiterlesen. Für Besitzer von Hunden und Katzen wird es jetzt interessant. Die Verordnung besagt nämlich, dass, wenn wir ein oben genanntes Reserveantibiotikum bei ihrem Tier einsetzen möchten, wir unbedingt einen Erregernachweis und ein Antibiogramm benötigen. Es sei denn die Gesundheit des Patienten ist durch die Probenentnahme gefährdet oder es steht kein geeigneter Test zur Bestimmung des Erregers zur Verfügung. Bei diesen Ausnahmen sind wir allerdings zu sorgfältigster Dokumentation verpflichtet. Das gleiche gilt, wenn wir während der Behandlung einer Erkrankung, das Antibiotikum wechseln möchten, auch wenn es kein Reserveantibiotikum ist. Zumindest dürfen wir das Reserveantibiotikum einsetzen, sobald wir einen Resistenztest einleiten, so dass keine Zeit verloren geht (was die Verordnung an sich allerdings in der Praxis ad absurdum führt).

Probenentnahme aus dem Ohr

Unter Tierärzten wird viel über Sinn und Unsinn dieser Neufassung der TÄHAV diskutiert. Allerdings ist sie trotz Widerstand der Tierärzteschaft jetzt in Kraft getreten mit der Begründung, dass im Gremium Tierärzte vertreten waren. Wir selbst möchten uns an dieser Stelle mit unserer Meinung zu dem Thema zurückhalten. Allerdings möchten wir darauf hinweisen, dass wir mit den uns und Ihnen als Tierbesitzer anfallenden Mehraufwand und -kosten nicht einverstanden sind. Wir müssen uns der Verordnung aber beugen und werden das auch tun. Ebenso fragen wir uns nach wie vor, wie Hund und Katze in die Liste der betroffenen Tiere geraten konnten. Das konnte bisher noch niemand plausibel erklären.

Es wird also in Zukunft häufiger zum Anfertigen eines Antibiogramms kommen, was für den Patienten selber sicherlich nicht schlecht ist, aber letztendlich ihren Geldbeutel belastet und das Ergebnis meist durch die klinische Überprüfung der Symptomatik sinnlos erscheinen lässt. Deshalb möchten wir auch erwähnen, dass wir selbst am Antibiogramm nichts verdienen. Die Differenz zum Laborpreis deckt gerade mal unsere Kosten.

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Konjunktivitis follicularis

typische Follikel auf der Bindehaut

typische Follikel auf der Bindehaut

Fast täglich werden uns in der Praxis junge Hunde mit Augenproblemen vorgestellt. Augenerkrankungen sind ein heikles Thema, weil für uns Menschen der Visus ein sehr wichtiger Sinn ist. Der Hund ist nicht so sehr abhängig von der Sehkraft wie der Mensch, aber natürlich sollte man Probleme mit den Augen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Gerade bei jungen Hunden muss mit aller Vorsicht der Ursache auf den Grund gegangen werden. Zum Beispiel führen einige Veränderungen der Wimpern oder Augenlider zu Augenentzündungen. Am häufigsten handelt es sich aber um die sogenannte Konjunktivitis follicularis. Hierbei wird viel zu oft auf Antibiotika und Cortison zurückgegriffen wird als nötig, und das gerade bei jungen Hunden. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen darüber zu berichten.

Ursächlich für das Auftreten der Follikel ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems. Hierzu muss man wissen, dass junge Hunde sich mit allerlei Dingen auseinandersetzen (müssen), die das Immunsystem noch nicht kennt. Eine entscheidende Rolle spielt hierbei die „Schule des Immunsystems“, der Darm. Hier werden Bakterien „sortiert“, hier wird entschieden gegen welche Keime man sich wehrt und welche man akzeptiert, hier werden mehr als 80% der Immunzellen gebildet. Deshalb ist eine gesunde Ernährung wichtig (was das genau bedeutet, erklären wir Ihnen gerne während eines Termins). Das fehlgeleitete Immunsystem der Augen wehrt sich nun extrem gegen Dinge, die es besser in Ruhe lassen würde. Das können Bakterien, Viren, Pilzsporen, Pollen und andere Dinge sein. Dabei bildet es die charakteristischen Follikel, das sind kleinste Bläschen auf der Schleimhaut des Auges (Konjunktiva) und auf dem dritten Augenlid (Nickhaut).

Die Schleimhäute nach der Laserbehandlung

Die Schleimhäute nach der Laserbehandlung

Auch in diesem Stadium hat das Auge, bzw. sein Immunsystem, noch die Chance zu lernen. Deshalb ist ein Einsatz von Cortison und Antibiotika nur im Extremfall sinnvoll, weil dadurch der Lerneffekt verpufft. Effektiver ist es, die Entzündung mit pflanzlichen Augentropfen zu behandeln. Dann hat das Auge auch dauerhaft etwas davon. In ganz schlimmen Fällen, muss das Auge lokal behandelt werden. Früher wurden die Follikel mit einem scharfen Löffel ausgekratzt und danach mit Silbernitrat verätzt. Die Erfolgsquote bei dieser Methode ist gering. Dank modernster Technik sind wir heute in der Lage mit meist einer Behandlung eine dauerhafte Genesung zu erreichen. Mit der Laserchirurgie steht uns die wohl beste Möglichkeit weltweit zur Verfügung. Dabei werden die Follikel mit dem Laser zerstört, es bildet sich ein Reaktionskomplex, auf den zerstörten Follikeln bleiben Antigenstrukturen bestehen, die das Immunsystem nun nutzen kann, um daraus zu lernen. Ähnlich wie bei einer Impfung, nur nicht so extrem, dass milliarden Antikörper gebildet werden, sondern dass das Immunsystem modifiziert wird.

Für uns ist der Unterschied zwischen Genesung und symptomatischer Verbesserung extrem wichtig. Genesen kann diese Krankheit nur, wenn das Immunsystem selbst in Ordnung ist. Mit Cortison erreicht man eine vorübergehende klinische Verbesserung aber keinen dauerhaften Erfolg.

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